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Präanalytik

1.
Dem Einsender von laboratoriumsmedizinischem Untersuchungsmaterial werden Röhrchen für den Versand von Serum und Urin kostenlos zur Verfügung gestellt, ein Bestellformular sowie Versandmaterial ebenfalls. Der Versand erfolgt auf dem Postwege, die Verpackung muss so beschaffen sein, dass sie allen auftretenden Belastungen standhalten kann und ein Auslaufen verhindert wird. Die Verpackung besteht aus
• einem wasserdichten Primärgefäß (z.B. Monovette oder fest verschlossenem Röhrchen)
• einer wasserdichten Sekundärverpackung, die absorbierendes Vlies enthalten muss
• einer festen Außenverpackung aus reißfestem Papier oder Kunststofffolie mit folgendem Aufdruck: FREIGESTELLTE MEDIZINISCHE PROBE

 

2.
Hinsichtlich der Auswahl der Untersuchungsparameter zu bestimmten Fragestellungen oder zur Interpretation der Ergebnisse steht der Praxisleiter den Einsendern telefonisch zur Verfügung: Tel.: 07531 6923790

3.
Aus der Untersuchungsanforderung des Einsenders muss die Identifizierung des Patienten mit Namen, Vornamen und Geburtsdatum einhergehen, zusätzlich Angabe des Geschlechts sowie auch Klärung der Abrechnungssituation. Hormonuntersuchungen sind häufig von der Uhrzeit der Blutentnahme oder dem Zykluszeitpunkt abhängig, sodass entsprechende Angaben zur sinnvollen Interpretation benötigt werden.

4.
Den Einsendern wird eine Information zur fachgerechten Blutentnahme und Behandlung des Untersuchungsmaterials zur Verfügung gestellt, eine Liste der angebotenen laboratoriumsmedizinischen Untersuchung kann eingesehen werden (Aufstellung Leistungsspektrum des Labors Dr. Delfs).

5.
Zur Blutentnahme empfiehlt sich ein Stauen der Vene zum besseren Auffinden. Sobald eine Vene zur Punktion ausgewählt wurde, soll die Stauung wieder gelöst werden, unnötige lange Stauung kann die Blutergebnisse verändern. Desinfektion der Haut, wobei das Desinfektionsmittel eine Minute einwirken soll. Es wird dann erneut die Vene gestaut und die Vene punktiert. Sobald Blut aspiriert werden kann, kann auch die Stauung in der Regel wieder gelöst werden. Allzu starkes Ziehen am Kolben sollte vermieden werden, da es bei zu starkem Sog zu Turbulenzen in der Punktionskanüle und damit zur Hämolyse kommen wird. Es sollten ausschließlich Nadeln für die Venenpunktion verwendet werden, welche mit Schutzkappen versehen werden, diesbezüglich wird auf die Vorgaben der Berufsgenossenschaft verwiesen. Nach Beendigung der Blutgewinnung wird die Nadel aus der Vene entfernt und die Einstichstelle mit einem Tupfer komprimiert, damit kein Hämatom entsteht. Zur Blutgewinnung können alle Venen in der Ellenbeuge, am Unterarm und auf dem Handrücken punktiert werden. In der Regel erfolgt die Entnahme in Serumröhrchen, welche nach abgeschlossener Gerinnung (20 Minuten bei Raumtemperatur) baldmöglichst zentrifugiert werden sollten. Das Serum sollte dann vom geronnenen Blut separiert werden durch Überführung in Analysenröhrchen. Sofern eine abweichende Vorgehensweise oder spezielle präparierte Röhrchen benutzt werden müssten, ist dieses aus dem Untersuchungsspektrum des Labors zu entnehmen. Gleiches gilt für die zeitlichen Bedingungen der Entnahme. Die Probenröhrchen müssen mit Vornamen und Nachnamen gekennzeichnet werden. Sollten sich aus der Untersuchung nachfolgende diagnostische Empfehlungen ergeben, werden diese dem Einsender auf dem Befundbericht mitgeteilt mit einer Anmerkung darüber, wie lange das Untersuchungsmaterial noch verwahrt wird.
Sollten spezielle Stimulationstests geplant werden, können Empfehlungen zur Durchführung beim Praxisleiter oder in der Blutentnahme der Praxis eingeholt werden. Ebenso stehen Formblätter zur Sammlung von Urin für spezielle Untersuchungsfragen zur Verfügung. Molekulargenetische Untersuchungen werden nicht durchgeführt, somit sind Einverständniserklärungen der Patienten nicht erforderlich, der Überweisungsschein des einweisenden Arztes ist ausreichend. Verwendet werden muss der Laboruntersuchungsauftrag (Formular-Nr: 10).

Folgende Parameter werden in meinem Labor bestimmt:

Schilddrüse

Freies Thyroxin, freies Trijodthyronin, TSH
Durch die Bestimmung dieser Parameter kann die Schilddrüsenfunktion charakterisiert werden. Bei niedrigen TSH Werten muss immer zwischen einer primären Hyperthyreose und einer sekundären Hypothyreose durch hypophysäre Insuffizienz unterschieden werden. Bei Hypothyreose orientiert sich die Thyroxinbehandlung an dem TSH Wert, welcher um 1,0 mU/L eingestellt werden sollte. Unter thyreostatischer Behandlung bei Morbus Basedow wird die Dosierung so eingestellt, dass die peripheren Schilddrüsenhormone im oberen Normwertbereich liegen.
Haltbarkeit: im Serum ist die Haltbarkeit dieser Hormone auch bei Raumtemperatur für mehrere Tage unproblematisch.

Thyreoglobulin
Thyreoglobulin dient als Tumormarker nach differenziertem Schilddrüsenkarzinom. Nach kurativer Operation sollte der Wert unterhalb der Nachweisgrenze (<0,2 ng/dl) liegen. Die Bestimmung ist bei einigen Patienten durch endogene Thyreoglobulin-Antikörper gestört, daher wird zusätzlich die Wiederfindung bestimmt. Bestimmung von Thyreoglobulin-Antikörpern (TAK) bei gestörter Wiederfindung sinnvoll.
Haltbarkeit: im Serum ist der Analyt auch bei Raumtemperatur  über mehrere Tage stabil.

Schilddrüsenautoantikörper TAK und TPO-AK sowie TRAK
Thyreoglobulin-Antikörper (TAK) und Peroxidase-Antikörper (TPO-AK) sind Marker einer destruierenden Form einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung. Mäßig erhöhte Werte bis 200 mU/l werden bei 10% der Bevölkerung nachgewiesen, eine therapiebedürftige Erkrankung tritt jedoch nur bei der Hälfte der seropositiven Population auf.
TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) führen im Regelfall zur Stimulation am TSH-Rezeptor, somit zur Hyperthyreose, ausnahmsweise treten auch inhibitorische TRAKs auf . Hohe TRAK-Titer gehen mit einem erhöhten Risiko einer endokrinen Orbitopathie einher.
Haltbarkeit: die Analyte sind auch bei Zimmertemperatur über mehrere Tage im Serum haltbar.

Calcitonin
Calcitonin als Marker des medullären Schilddrüsenkarzinoms ist sowohl in der Diagnostik als auch zur Verlaufskontrolle nach Operation des medullären Schilddrüsenkarzinoms hilfreich. Bei mäßig erhöhten Werten bis 100 ng/ml kann auch eine unspezifische Erhöhung durch benigne C-Zell-Hyperplasie, bei autoimmuner Schilddrüsenerkrankung, Niereninsuffizienz oder bei Sepsis vorliegen. In diesem Falle Verlaufskontrolle oder Stimulationstest (Pentagastrin-Test oder Calciumtest).
Haltbarkeit: sofern die Untersuchung der Serumprobe nicht am selben Tag gewährleistet ist, muss die Probe bei -20 Grad eingefroren werden. Der Analyt ist bei Raumtemperatur nur über 2 Stunden stabil.

Hypophyse

Prolaktin
Prolaktin stimuliert zusammen mit Östradiol die Laktation. Bei der Interpretation der Befunde ist zu beachten, dass Prolaktin unter stimulierendem Einfluss von TRH steht sowie unter hemmendem Einfluss über PIF (Prolaktin-inhibiting-Faktor = Dopamin). Der inhibitiorische Effekt ist dabei stärker von Bedeutung als die stimulierende Wirkung von TRH. Erhöhte Werte werden aber auch bei Hypothyreose diagnostiziert sowie unter anti-dopaminerger Medikation etwa durch Antidepressiva oder Metoclopramid.
Haltbarkeit: der Analyt ist im Serum bei Raumtemperatur mehrere Tage stabil.


LH und FSH
Die beiden stimulierenden Hormone für Ovarien bzw. Hoden weisen eine pulsatile Sekretion auf, sodass manchmal Doppelbestimmungen zur Erleicherung der Interpretation erforderlich sind. Bei Frauen kommt es mittzyklisch bei Induktion des Eisprungs zur massiven Ausschüttung von LH als physiologischem Phänomen. In der ersten Zykluswoche kann eine LH-Konzentration von mehr als dem doppelten des FSH-Wertes auf eine Fehlregulation der Ovarien mit vermehrter Androgenproduktion im Sinne eines polyzystischen Ovarsyndroms hindeuten. Eine Erhöhung von FSH deutet auf eine Erschöpfung der ovariellen Funktion hin, postmenopausal werden somit hohe Werte erwartet. Die Gonadotropine LH und FSH werden durch eine systemische Kontrazeption mit Ethinylestradiol und einem synthetischen Gestagen auf nicht messbare Werte supprimiert. Sofern niedrige Werte ohne Einnahme einer systemischen Verhütung bestimmt werden und gleichzeitig niedrige Sexualhormone muss an eine hypophysäre Insuffizienz gedacht werden.

Bei Männern weist die Konstellation von niedrigen Gonadotropinen und niedrigem Testosteron auf eine hypophysäre Insuffizienz mit sekundärem Hypogonadismus hin. Erhöhte Gonadotropine bei Klinefelter-Syndrom oder nach Verlust der Hoden. Mäßige Erhöhung von FSH alleine kann auch bei isolierter Schädigung der Spermienproduktion auftreten.
Haltbarkeit: die Analyten sind bei Raumtemperatur im Serum über mehrere Tage lang stabil.

Wachstumshormon und IGF-1
IGF-1 wird unter dem Einfluss von Wachstumshormon von der Leber und der Muskulatur endokrin freigesetzt, darüber hinaus in mehreren weiteren Geweben autokrin oder parakrin. IGF-1 wird als Screeningmarker für die Kapazität der Hirnanhangdrüse zur Synthese von Wachstumshormon benutzt. Die Bewertung sollte vorzugsweise zusammen mit dem wesentlichen Bindungsprotein IGF- BP3 erfolgen, da nur der freie Hormonanteil endokrin wirksam ist.
Wachstumshormon wird zirkadian sezerniert, hohe Spiegel finden sich in der ersten Tiefschlafphase etwa 45-60 Minuten nach dem Einschlafen, kleinere Pulse später in der Nacht oder auch tagsüber sowie bei Aufregung, Stress oder Schmerz. Zur Frage eines Wachstumshormonmangels sind in aller Regel Stimulationstests erforderlich, zur Verlaufskontrolle einer Akromegalie kann der basale Wert von Wachstumshormon herangezogen werden oder ein oraler Glukosetoleranztest mit Bestimmung von Wachstumshormon zur Frage der Supprimierbarkeit erhöhter Werte
Haltbarkeit: die Hormone sind bei Zimmertemperatur im Serum über drei Tage ausreichend stabil.

ACTH
Das adrenocorticotrope Hormon steuert die zirkadiane Produktion von Cortisol in den Nebennieren sowie der adrenalen Androgene. Eine Bestimmung ist daher bei abnorm hohen oder auch abnorm niedrigen Cortisolkonzentrationen empfehlenswert.
Haltbarkeit: der Analyt ist labil. Die Bestimmung erfolgt im EDTA-Plasma, welches unmittelbar nach Zentrifugation der Blutprobe abgefüllt und eingefroren werden muss.

Sexualhormone

Östradiol und Östron
Physiologische Östradiolspiegel zeigen starke zyklusbabhängige Schwankungen. Niedrige Werte perimenstruell und sehr hohe Werte periovulatorisch. Häufig werden auch hohe Werte in der zweiten Zyklusphase gemessen, sofern eine Ovulation ausblieb oder eine Schwangerschaft eingetreten ist. Unter oraler Östrogenbehandlung wird in der Leber vermehrt Östron gebildet, welches an der Brust wie Östradiol wirkt.
Haltbarkeit: die Analyten sind im Serum bei Raumtemperatur für mehrere Tage stabil.

Progesteron
Progesteron charakterisiert die Gelbkörperfunktion nach der Ovulation. Dementsprechend empfiehlt sich die Bestimmung in der zweiten Zyklushälfte.
Haltbarkeit: der Analyt ist im Serum bei Raumtemperatur über mehrere Tage stabil.

Androstendion
Androstendion wird bei Frauen zu etwa gleichen Teilen von der Nebenniere und den Ovarien produziert. Bei Fehlsteuerung der Ovarien, etwa bei einem polyzystischem Ovarsyndrom werden überhöhte Spiegel im Serum gemessen, leicht erhöhte Spiegel auch bei adrenaler Hyperandrogenämie möglich.
Haltbarkeit: der Analyt ist im Serum bei Raumtemperatur mehrere Tage stabil.

Testosteron und SHBG
Bei Frauen wird Testosteron überwiegend in den Ovarien synthetisiert oder aus Östrogen im Fettgewebe. Testosteron zeigt leicht zyklusabhängige Schwankungen, weshalb die Bestimmung möglichst nicht periovulatorisch erfolgen sollte. Testosteron wird an SHBG (Sexual Hormon bindendes Globulin) gebunden. Nur der freie (ungebundene) Anteil ist biologisch wirksam.
Bei Männern stellt der Hoden die wesentliche Quelle für Testosteron dar. Die Steuerung erfolgt durch die Hypophyse über die Hormone LH und FSH. Zu beachten sind deutliche tageszeitliche Schwankungen, wobei morgendliche Testosteronspiegel doppelt so hoch sein können wie abendliche. Zu beachten ist auch, dass die Testosteronproduktion mit zunehmendem Alter nachlässt. Ein aufgehobener Tagesrhythmus findet sich bei Schlafapnoe oder Behandlung mit zentralwirksamer Analgetika oder Psychopharmaka. Testosteron wird an SHBG gebunden, nur der freie Hormonanteil ist biologisch wirksam, somit empfiehlt sich die Bestimmung  zusammen mit SHBG, hieraus kann das freie Testosteron rechnerisch ermittelt werden. Unter Behandlung mit Testosteron empfehle ich Kontrollen wie folgt: unter Anwendung eines Gels Bestimmung sechs bis zwölf Stunden nach letzter Anwendung. Bei Depotinjektionen mit 250 mg 14 Tage nach letzter Injektion, bei Injektionen mit 1000 mg Kontrolle nach zwei Monaten.
Haltbarkeit: die Analyten sind bei Raumtemperatur für mehrere Tage stabil.

SHBG
Das Sexualhormon bindende Globulin wird in der Leber unter dem Einfluss von Sexualhormonen synthetisiert. Zur biologischen Relevanz siehe die Ausführungen unter Östradiol und Testosteron.
Haltbarkeit: der Analyt ist im Serum bei Raumtemperatur für mehrere Tage stabil.

Dihydrotestosteron
Dihydrotestosteron wird aus Testosteron durch das Enzym 5-Alpha –Reduktase synthetisiert. Hauptsyntheseort ist die Prostata sowie lokal im Unterhautgewebe an den Haarwurzeln. Hohe Werte führen zu einer androgenetischen Alopecie und zu einem erhöhten Prostatakarzinom-Risiko bei Männern sowie zu einem Hirsutismus bei Frauen. Normale Werte schließen eine erhöhte Hormonaktivität lokal in der Prostata und im Unterhautgewebe nicht aus, erhöhte Werte jedoch lassen eine sehr gute Wirksamkeit von 5-Alpha-Reduktase-Hemmstoffen erwarten.
Haltbarkeit: der Analyt ist im Serum bei Raumtemperatur über mehrere Tage stabil.

 

Calcium und Knochen

Intaktes Parathormon
Parathormon wird von den Nebenschilddrüsen sezerniert. Niedrige Werte bei autoimmuner Destruktion der Nebenschilddrüsen (idiopathisch) oder nach Schilddrüsenoperation (iatrogen). Hyperparathyreoidismus bei Autonomie durch ein solitäres Schilddrüsenadenom oder Karzinom (selten) oder bei polyglandulärer Hyperplasie insbesondere bei multipler endokriner Neoplasie. Parathormon reguliert einerseits die Freisetzung von Calcium aus dem Knochen, andererseits die Umsetzung von Vitamin D zu D-Hormon, welches bei Niereninsuffizienz nur eingeschränkt funktioniert. Sekundäre Formen finden sich daher bei Vitamin D-Mangel und bei Niereninsuffizienz.
Haltbarkeit: der Analyt ist bei Raumtemperatur maximal 1 Tag stabil, bei 2 - 8 Grad bis zu 48 Stunden.

Zugeschickte Serumproben werden nicht bearbeitet, wenn offenkundig ler als 48 Stunden.

25-Hydroxy-Vitamin D
Vitamin D wird unter dem Einfluss von UV-Strahlung in die Haut synthetisiert. Aktivierung dann zum D-Hormon zunächst in der Niere (kritisch bei Niereninsuffizienz) und schließlich in der Leber (unkritisch). D-Hormon fördert die Resorption von Calcium aus dem Darm. Ein Mangel führt zu ungenügender Calcifizierung der Knochen (Osteomalazie) und zu Muskelschmerzen sowie muskulärer Dysfunktion mit erhöhter Sturzneigung.
Haltbarkeit: der Analyt ist für eine Woche im Serum stabil.

Osteoblastenphosphatase ( OP ) und Osteocalcin ( OC )
Beide Marker dienen der Bestimmung der Knochenkollagensynthese, sie sind beide  von der Tageszeit abhängig. Die Untersuchung sollte morgens nüchtern vor 11:00 Uhr erfolgen, da im weiteren Tagesverlauf niedrige Werte physiologisch bestimmt werden. Osteocalcin ist labil, weshalb für die laborchemische Diagnostik der Bruchteil N-mid- Osteocalcin benutzt wird.
Haltbarkeit: OP ist bei Raumtemperatur über mindestens 3 Tage stabil, N-nid-OC für 6 Tage.

N-terminale Telopeptide (NTX) im Serum und Desoxypyridinolin (DPD) im Urin
Die Parameter  dienen zur Quantifizierung des Knochenkollagenabbaus und finden Verwendung zur Diagnose eines erhöhten Knochenabbaus sowie der Kontrolle medikamentöser Interventionen bei Bremstherapien. Beide Parameter zeigen tageszeit-abhängig Schwankungen und sind morgens höher als nachmittags. Daher empfiehlt sich die Bestimmung im Laufe des Vormittags vor 12:00 Uhr nüchtern.
Haltbarkeit : die Analyten sind bei Raumtemperatur für mindestens 3 Tage stabil. Urin für DPD-Bestimmung muss lichtgeschützt gelagert und transportiert werden.

Calcium-Kreatinin-Quotient im Urin
Untersucht wird, ob der Calciumausstrom erhöht ist oder nicht. Der Parameter dient zur Einschätzung des Knochenabbaus sowie zur Einschätzung der Nebenschilddrüsenfunktion. Er ersetzt die Bestimmung von Calcium im 24-Stunden-Sammelurin, welche als Standard zur Untersuchung einer solchen Fragestellung angesehen wird, allerdings häufig Probleme bei der Urinsammlung aufwirft. Erhöhte Werte bei primärem Hyperparathyreoidismus oder vermehrtem Knochenabbau.
Haltbarkeit: der Analyt ist bei Raumtemperatur über mehrere Tage stabil.


Nebennieren

Cortisol
Cortisol dient als wichtiger Marker der Nebennierenrindenfunktion und unterliegt erheblichen tageszeitlichen Schwankungen. Bei Verdacht auf Hypercortisolismus (Morbus Cushing) oder Nebennierenrindentumor sollte die Blutuntersuchung am Abend durchgeführt werden, bei Verdacht auf Nebennierenrindeninsuffizienz (Morbus Addison) am frühen Morgen. Im Zweifelsfall mehrfache Bestimmung im Tagesverlauf zur Überprüfung des Cortisoltagesprofils oder Bestimmung im Sammelurin. Auch die zeitgleiche Bestimmung des Adreno-Corticotropen Hormons (ACTH) kann zur Frage einer primären oder sekundären Nebennierenfehlfunktion beitragen.
Haltbarkeit: der Analyt ist im Serum bei Raumtemperatur über mehrere Tage stabil.

17-OH-Progesteron und DHEA-S
Beide Parameter dienen der Klärung einer adrenalen Hyperandrogenämie. Differentialdiagnostisch kann die Bestimmung von Androstendion und Testosteron hilfreich sein. Die Bestimmung von 17-OH-Progesteron sollte bei Frauen stets in der ersten Zyklushälfte erfolgen, da laborchemische Interferenzen mit Progesteron bestehen, welches in der zweiten Zyklushälfte physiologisch von den Ovarien produziert wird. 17-OH-Progesteron unterliegt wie Cortisol tageszeitlichen Schwankungen, sodass morgens höhere Werte als abends bestimmt werden. DHEA-S als Sulfat unterliegt solchen tageszeitlichen Schwankungen nicht.  Beide Parameter sind hilfreich zur Klärung eines Hirsutismus bei Frauen sowie zur Therapieüberwachung eines adrenogenitalen Syndroms mit Salzverlust-Syndrom bei Männer und bei Frauen.
Haltbarkeit: die Analyte sind im Serum bei Raumtemperatur über mehrere Tage stabil.

Aldosteron und Renin
Die zeitgleiche Bestimmung von Aldosteron und Renin ermöglich eine Klärung der mineralocorticoiden Nebennierenfunktion. Renin als Hormon der Nieren reguliert dabei im Rahmen des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems die Freisetzung von Aldosteron aus den Nebennieren. Eine zeitgleiche Bestimmung beider Hormone ist sinnvoll, jedoch muss bei der Interpretation der Laborbefunde die möglicherweise bereits bestehende antihypertensive Medikation mit angegeben werden, da diese zur Veränderung der Messwerte führt. Eine Bestimmung unter laufender Medikation mit Spironolacton ist nicht sinnvoll, die Interpretation der Messergebnisse unter Spironolacton-ähnlichen Gestagenen  (in Verhütungspillen) deutlich erschwert.
Haltbarkeit: Aldosteron ist im Serum über mehrere Tage bei Raumtemperatur stabil, Renin ist labil, deshalb erfolgt die Blutentnahme in EDTA-Röhrchen, welche unmittelbar nach der Blutentnahme zentrifugiert werden, das Plasma muss tiefgefroren werden.

Metanephrine und Normetanephrine
Die Bestimmung erfolgt bei Verdacht auf Phäochromozytom und hat die früher durchgeführte Bestimmung von Adrenalin und Noradrenalin im Sammelurin weitgehend ersetzt. Medikamentös bedingte Veränderungen finden sich unter Behandlung mit Alpha-Blockern oder Beta-Blockern sowie unter Antidepressiva, welche auf den Noradrenalin-Haushalt einwirken.
Haltbarkeit: die Analyte sind labil. Das Blut muss in EDTA-Röhrchen abgenommen werden, welche dann unmittelbar nach der Blutentnahme zentrifugiert werden. Das Plasma muss dann gefroren ins Labor transportiert werden.

Kohlenhydratstoffwechsel

Insulin und Blutzucker
Über die Nahrung angebotene Kohlenhydrate stimulieren stärker als parenteral applizierte Glukose die Freisetzung von Insulin, welches dann den Transport von Glukose von extrazellulär nach intrazellulär bewirkt. Ein Insulinmangel führt zum Anstieg des Blutzuckers, eine autonome Sekretion von Insulin  (Insulinom) zur inadäquaten Senkung der Blutzuckerkonzentration. Bei Insulinresistenz finden sich erhöhte Werte sowohl für Insulin als auch für Blutzucker. Die Untersuchung sollte stets morgens nüchtern stattfinden, da dieses diagnostische Paar nur unter standartisierten Bedingungen verwertet werden sollte.
Haltbarkeit: Insulin ist im Serum für mehrere Tage stabil. Blutzucker wird durch Erythrozyten abgebaut, sodass eine sorgfältige Zentrifugation der Serumprobe erforderlich ist, oder eine Hemmung der Glukose-Utilisation durch Verwendung von Natriumfluorid-Röhrchen. 

Polyglanduläre Autoimmunerkrankung

Transglutainase-Antikörper und Gliadin-Antikörper
Bei der Zöliakie besteht primär eine Immunreaktion gegen Nahrungsbestandteile (Gluten), welches wesentlicher Bestandteil nahezu aller Getreideprodukte ist. Im Laufe der Erkrankung kommt es dann zu einer Autoimmunerkrankung im engeren Sinne mit Übergang der Autoimmunerkrankung auf Dünndarmzotten mit der Folge einer mangelnden Nährstoffaufnahme, Durchfällen, Blähungen, Vitaminmangel, Eisenmangel und bei Kindern Minderwuchs. Die Bestimmung dient der Diagnostik einerseits sowie zur Verlaufskontrolle unter diätetischer Behandlung einer Zöliakie, da sich das Autoimmunphänomen unter adäquater Diät vollständig normalisieren kann. Bei exzessiv erhöhten Werten kann eine Zöliakie als gesichert angesehen werden, häufig ist aber bei Werten im Grauwertbereich eine zusätzliche endoskopische Diagnostik mit Gewebeentnahme aus dem Dünndarm und deren histologische Aufarbeitung erforderlich.
Haltbarkeit: die Analyte sind im Serum über mehrere Tage stabil.

Parietalzell-Antikörper
Die Autoimmunreaktion gegen Magenschleimhautzellen (Typ A-Gastritis) lässt sich im Serum durch Parietalzell-Antikörper nachweisen. Die Erkrankung führt zu einer mangelnden Magensäuresekretion sowie zu einer mangelnden Freisetzung von Intrinsic-Factor, welcher dann wiederum zu einem Vitamin B12-Mangel mit neurologischen Problemen und Blutbildungsstörungen führt. Die Bestimmung sollte bei nachgewiesenem Vitamin B12-Mangel durchgeführt werden sowie einem Verdacht auf eine polyglanduläre Autoimmunerkrankung.
Haltbarkeit: der Analyt ist im Serum bei Raumtemperatur über mehrere Tage stabil.


Sonstige

Vitamin B12
Vitamin B12 wird im Ileum  aus der Nahrung resorbiert, sofern im Magen genügend Intrinsic Factor freigesetzt wird, welcher für die Resorption erforderlich ist. Ein Mangel an Vitamin B12 findet sich insbesondere bei Zustand nach Magenoperation, bei autoimmuner Magenerkrankung  (Typ A-Gastritis), bei langjähriger vegetarischer Ernährung, Resektion des Ileums aber auch unter langfristiger Säureblockade durch Protonenpumpen-Hemmung.. Ausreichend gefüllte Vitamin B12-Speicher in der Leber führen dabei erst  zu einem manifesten Vitamin B12-Mangel nach über zehn Jahren.
Haltbarkeit: der Analyt ist im Serum nur für 24 Stunden stabil,  der Transport ins Labor sollte lichtgeschützt erfolgen.

Ferritin
Ferritin dient als Marker des Eisenhaushaltes. Niedrige Werte bei Eisenmangel, erhöhte Werte im Rahmen entzündlicher Erkrankungen oder bei Eisenspeicherstörung (Hämochromatose). Bei Verdacht auf Hämochromatose empfiehlt sich die zeitgleiche Bestimmung der Transferrinsättigung und /oder eine molekulargenetische Diagnostik.
Haltbarkeit: der Analyt ist im Serum über mehrere Tage bei Raumtemperatur stabil.

Serotonin
Serotonin spielt eine essentielle Rolle im zentralen Nervensystem hinsichtlich Steuerung neurovegetativer Prozesse und wird daher auch als „Glückshormon“ bezeichnet. Bei der Bestimmung im peripheren Blut muss beachtet werden, dass Serotonin  auch vom Magen-Darm-Trakt sezerniert wird. Niedrige Werte können Hinweise auf eine organisch bedingte Depression durch Serotoninmangel ergeben, diese Interpretation ist wissenschaftlich aber nicht ausreichend untermauert. Niedrige Werte finden sich unter Behandlung mit Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren oder bei endogenen Serotonin-Autoantikörpern. Erhöhte Serumwerte finden sich bei Karzinoid-Syndrom und können zur Diagnostik und Verlaufskontrolle dieser Erkrankung beitragen. Standard ist jedoch die Bestimmung von 5-Hydroxindolessigsäure im Sammelrurin.
Haltbarkeit: der Analyt ist im Serum bei Raumtemperatur für 48 Stunden stabil.

HCG

HCG dient bei Frauen zur laborchemischen Sicherung einer Schwangerschaft; der Wert steigt 12 Tage nach dem Eisprung im Falle einer Schwangerschaft an,  erreicht in der 14. Schwangerschaftswoche ein Maximum und fällt dann langsam bis zum Ende der Schwangerschaft wieder ab.

HCG  dient als Tumormarker bei Blasenmole und Chorinkarzinom der Frau und bei Hodentumor des Mannes sowie bei extragonadalen Keimzelltumoren bei beiden Geschlechtern.

HCG dient zur Verlaufskontrole bei HCG-sezernierenden Hypophysenadenomen.

Haltbarkeit: der Analyt it im Serum bei Raumtemperatur 48 Stunden stabil, im Kühlschrank 1 Woche. Wiederholtes Einfrieren und Auftauen der Probe sollte vermieden werden.

 

 

 

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